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Specialized Enduro 29/6Fattie im Test: Mit 29″/27,5+ Laufrädern, abfahrtsorientierter Geometrie und 165 mm Federweg präsentiert sich das Specialized Enduro als echte Rennmaschine für harte Strecken. Wir haben das Bike in seinem natürlichen Einsatzbereich bei der Trans-Provence einem harten Test unterzogen. Hier lest ihr, wie sich das Enduro geschlagen hat!
Specialized Enduro 29/6Fattie – kurz & knapp
„Wie es sich für ein „All Mountain“ Bike gehört, haben alle unsere Enduro Modelle viel Federweg, leichte Rahmenkonstruktionen und Geometrien, die das Bike leicht kontrollierbar und effizient machen. Denn wer runter will, muss erst mal rauf!“ – Specialized
Specialized beschreibt die eigene Interpretation von Enduro ziemlich treffend auf der Firmenwebsite. Bikes, die sich bequem bergauf treten lassen, aber genügend Reserven bieten, um Kontrolle und hohe Geschwindigkeiten auf harten Abfahrten zu gewährleisten. Auch die verschiedenen Vorlieben in Sachen Laufradgröße berücksichtigen die Kalifornier. So gibt es das Specialized Enduro nicht nur in einer 27,5″-Variante, sondern auch in einer Version, die mit 27,5+ oder 29″-Laufrädern gefahren werden kann. Wir hatten das Bike in der 29/27,5+ Version im Test.
- Rahmen: Aluminium oder Carbon
- Federweg: 165 / 160 mm
- Laufradgröße: 27,5+ / 29″
- Boost-Standard vorne und hinten
- Tretlager: BSA
Preis: ab 3.299 € (UVP) | Bikemarkt: Specialized Enduro 29/6Fattie kaufen

Technische Daten
Geometrie
S | M | L | XL | |
---|---|---|---|---|
Stack | 609 mm | 609 mm | 622 mm | 636 mm |
Reach | 410 mm | 430 mm | 450 mm | 470 mm |
Steuerrohrlänge | 95 mm | 95 mm | 110 mm | 125 mm |
Lenkwinkel | 66° | 66° | 66° | 66° |
Tretlagerhöhe (29X2.3) | 352 mm | 352 mm | 352 mm | 352 mm |
Tretlagerhöhe (650X3.0) | 345 mm | 345 mm | 345 mm | 345 mm |
Tretlagerhöhe (650X2.8) | 339 mm | 339 mm | 339 mm | 339 mm |
Tretlagerabsenkung | 19 mm | 19 mm | 19 mm | 19 mm |
Nachlauf | 107 mm | 107 mm | 107 mm | 107 mm |
Gabellänge | 569 mm | 569 mm | 569 mm | 569 mm |
Gabel Rake/Offset | 51 mm | 51 mm | 51 mm | 51 mm |
Front Center | 727 mm | 747 mm | 773 mm | 799 mm |
Kettenstrebenlänge | 432 mm | 432 mm | 432 mm | 432 mm |
Radstand | 1159 mm | 1179 mm | 1205 mm | 1231 mm |
Oberrohrlänge (horizontal) | 555 mm | 575 mm | 600 mm | 625 mm |
Überstandshöhe | 757 mm | 766 mm | 781 mm | 796 mm |
Sitzrohrlänge | 396 mm | 430 mm | 468 mm | 523 mm |
Sitzwinkel | 76,5° | 76° | 76° | 75° |

Ausstattung
Das von uns getestete Specialized Enduro 29/6Fattie verfügte nicht über eine Serienausstattung. Für den harten Einsatz bei der Trans-Provence wurde das Specialized Enduro 29/6Fattie mit stabilen und bewährten Teilen aufgebaut. Für mächtig Verzögerung sorgt die zuverlässige und bissige SRAM Code Bremsanlage. Das Fahrwerk besteht aus der RockShox Lyric RCT3 mit 160 mm Federweg, die 165 mm am Heck werden von einem RockShox Monarch Plus RC3 verwaltet. Während des harten Etappenrennens in Frankreich waren wir auf Alu-Laufrädern aus dem Hause Specialized in Kombination mit stabilen Schwalbe-Reifen unterwegs. Zudem haben wir die 29″ Specialized Butcher-Reifen getestet und waren außerdem auf der neuen Butcher-Variante in 2,8″ Breite unterwegs, die auf einem schicken Carbon-Laufradsatz von Specialized montiert waren.
- Rahmen: Specialized Enduro 29″ Alu
- Federgabel: RockShox Lyric RCT3 160 mm
- Dämpfer: RockShox Monarch Plus RC3
- Schaltgruppe: SRAM X01 Eagle
- Bremsen: SRAM Code
- Laufräder: Specialized Alu Boost // Specialized Carbon Boost Plus
- Reifen: Schwalbe Magic Mary Super Gravity Addix Super Soft 2,35 | Schwalbe Hans Dampf Super Gravity Addix Soft 2,35 // Specialized Butcher 2.8
- Sattelstütze: Specialized Command Post
In der Hand
Unser Testrad kam wie oben beschrieben mit der perfekten Ausstattung für ein langes und hartes Enduro-Rennen. Einzig die Reifenkombination aus Specialized Butcher und Hillbilly tauschten wir gegen Schwalbe Hans Dampf und Magic Mary mit pannensicherer Super Gravity-Karkasse. Über das Specialized-eigene SWAT-System am Sattel lassen sich problemlos ein Schlauch und eine CO2-Kartusche befestigen. Zudem hat man dank dem SWAT-Flaschenhalter immer ein praktisches Minitool mit an Board. Weiterhin verbirgt sich im Vorbau ein Ersatz-Kettenschloss. Auf den Kofferraum im Unterrohr muss man an der von uns getesteten Aluminium-Variante des Specialized Enduro-Rahmens jedoch verzichten.
Die Züge am Specialized Enduro 29/6Fattie verlaufen durchweg sauber im Rahmen. Insgesamt überzeugt Specialized mit einer guten Verarbeitungsqualität am schicken Alu-Rahmen. Der auf Haltbarkeit ausgelegte Trans-Provence-Aufbau unseres Specialized Enduro 29/6Fattie hat jedoch auch stattliche 15,3 kg auf die Waage gebracht.
Auf dem Trail
Uphill
Das Specialized Enduro klettert erstaunlich gut. Die Sitzposition auf dem Rad gestaltet sich relativ bequem – trotzdem hat man immer genügend Druck auf dem Vorderrad, sodass die Front auch in steilen Uphills nicht steigt. Geht es technisch bergauf, muss man mit dem 345 mm tiefen Tretlager etwas aufpassen, um Pedalkontakt mit dem Untergrund vermeiden. Der Hinterbau des Enduros ist sehr antriebsneutral und wippt selbst im Wiegetritt nur wenig. Zusätzlich lässt sich das Heck über den Uphill-Modus des Dämpfers nach Bedarf noch ruhiger gestalten. Vor allem in technischen Anstiegen haben wir den Dämpfer jedoch auch gerne offen gelassen.
Mit der leichten 29″ Specialized-Bereifung tritt sich das Enduro sehr angenehm bergauf. Mit der schwereren, aber sehr pannensicheren Super Gravity-Bereifung von Schwalbe wird es natürlich deutlich träger – vor allem im Antritt. Überrascht haben die Specialized Butcher-Reifen im 27,5+ Format. Auf dem Specialized-eigenen Carbonlaufradsatz geht es mit mächtig Komfort und Grip bergauf, ohne dass man ein großes Mehrgewicht im Vergleich zu 29″ in Kauf nehmen müsste. So kommt man selbst in steilstem Gelände noch gut vorwärts.
Downhill
Im Downhill spielt das Specialized Enduro mit den großen 29″-Laufrädern seine Stärken aus. In Verbindung mit den 160/165 mm Federweg vermittelt das Enduro ein absolut sicheres Gefühl, selbst auf harten Trails. Der Hinterbau will bei der Einstellung des Luftdrucks etwas Aufmerksamkeit, das Verhalten nach Verwendung der Auto-SAG-Funktion will nicht so recht gefallen, da der Hinterbau etwas zu schwammig ist und zum Wegsacken neigt. Etwas straffer abgestimmt funktioniert der Hinterbau dann sehr gut, spricht weiterhin sensibel an und bietet ausreichend Gegenhalt. Sehr aktive Fahrer könnten sich hier aber noch mehr Feedback wünschen.
Mit 66° Lenkwinkel, 450 mm Reach (Rahmengröße L) und den großen Laufrädern fährt sich das Specialized Enduro enorm laufruhig und bietet bei hohen Geschwindigkeiten und in steilem, hartem Gelände ein gutes Sicherheitsgefühl. Dadurch verhält es sich auch in rutschigen Kurven sehr fehlerverzeihend und bricht selten und kontrolliert aus. Doch natürlich hat dieses Verhalten auch eine Kehrseite: wer das Rad im Renneinsatz schnell um enge Kurven bewegen will oder auch mal einen Scandinavian Flick machen möchte, braucht hierzu viel Kraft und Körpereinsatz. Dieses Gefühl wird durch das in Kombination mit 29″-Laufrädern recht hohe Tretlager (452 mm) verstärkt. Hierdurch steht man mehr auf als im Rad und in engem, verwinkeltem Gelände ergibt sich bei niedrigen Geschwindigkeiten ein etwas stelziges Fahrgefühl.
Erstaunt hat uns die Performance des Bikes mit den neuen Specialized 27,5+ Carbon-Laufrädern und den Specialized Butcher-Reifen in 2,8″ Breite. So kommt das Tretlager auf niedrige 339 mm und man hat das Gefühl, tiefer im Rad zu stehen. Mit den Pummel-Reifen hinterlässt das Enduro so einen deutlich verspielteren und handlicheren Eindruck – und das Plus an Grip dürfte vor allen Dingen Einsteigern ein deutliches Plus an Sicherheit vermitteln. Nachteile muss man jedoch auf losem Untergrund in Kauf nehmen. Hier sind die Reifen durch die breitere Auflagefläche deutlich schwerer unter Kontrolle zu halten. Deutliche Verbesserungen am Reifen – und der Kombination mit der breiten Felge – sind bei schnellen Kurvenfahrten spürbar. Ein Walken und Wegknicken tritt erst bei deutlich härteren Kräften auf als bei vorherigen Tests von Modellen mit Plus-Bereifung. Der Unterschied zu regulären Reifenbreiten ist allerdings noch immer deutlich zu spüren.
Alle Anbauteile am Bike überzeugten im harten Renneinsatz in Frankreich und auch in den darauf folgenden Testmonaten einwandfrei. Vor allem die Funktion der Command Post-Sattelstütze konnte absolut überzeugen. Die schnelle Aus- und Einfahrgeschwindigkeit macht nicht nur im Renneinsatz Spaß. Allerdings fährt die Stütze so schnell und ungedämpft aus, dass man die Sattelklemme sehr fest ziehen sollte: Bei der ersten Testfahrt arbeitete sich die Sattelstütze mit jedem Ausfahren ein Stück weiter aus dem Sattelrohr heraus.
Haltbarkeit
Sowohl der Rahmen als auch die Anbauteile stellten sich als absolut sorglos heraus. Einmal mussten wir die Schrauben am Hinterbau nachziehen, was sich aufgrund der speziellen Dämpfer-Aufnahme von Specialized teilweise etwas umständlich gestaltet. Allerdings hatten wir das Problem nur ein einziges Mal über den gesamten Testzeitraum von mehreren Monaten.
Lediglich der Specialized-eigene Steuersatz, genauer gesagt der Steuersatz-Expander, machte etwas Probleme. Schon nach wenigen Ausfahrten hielt dieser nicht mehr richtig im Gabelschaft und zog sich beim Anziehen der Steuersatz-Schraube aus dem Gabelschaft, sodass das Steuersatz-Spiel nicht mehr eingestellt werden konnte. Natürlich lässt sich das Problem ganz einfach mit einer herkömmlichen Gabelkralle relativ leicht beheben.

Fazit – Specialized Enduro 29/6Fattie
Das Specialized Enduro 29/6Fattie ist ein Rad, das dank viel Federweg und abfahrtsorientierter Geometrie auf harten Trails und im Renneinsatz durch Laufruhe und fehlerverzeihendes Verhalten glänzt. Auch im Uphill macht das Enduro eine gute, wenn auch etwas gemütliche Figur. Nicht nur mit 29″-Bereifung konnte uns das Bike überzeugen – auch das etwas verspieltere Verhalten und das Mehr an Grip der Plus-Bereifung hat uns positiv überrascht. So ist das Specialized Enduro 29/6Fattie Enduro ein Bike mit breitem Einsatzbereich, das man auch dank der Möglichkeit, zwei verschiedene Laufradgrößen zu fahren, perfekt an seine persönlichen Vorlieben anpassen kann.
Stärken
- Laufruhe
- fehlerverzeihendes Fahrverhalten
- SWAT-Anbauteile
- starke Plus-Bereifung
Schwächen
- Specialized Steuersatz-Expander
- in engen Kurven etwas träge
Testablauf
Wir haben das Specialized Enduro mit zum wohl härtesten Mountainbike-Etappenrennen Europas genommen: Auf der Trans Provence musste es sich sechs Tage lang auf krassen Trails in verschiedenstem Terrain beweisen und zeigen, was es in Sachen Haltbarkeit auf dem Kasten hat. Zusätzlich wurde das Specialized Enduro 29/6Fattie viele Wochen lang auf den Hometrails im Mittelgebirge bewegt.
Hier haben wir das Specialized Enduro 29/6Fattie getestet
- Trans Provence: verschiedenste anspruchsvolle Trails von felsig im alpinen Gelände bis flowig im Wald
- Hometrails: flowige Trails im Mittelgebirge
Testerprofil
- Testername: Sebastian Beilmann
- Körpergröße: 174 cm
- Gewicht (mit Riding-Gear): 68 kg
- Schrittlänge: 81 cm
- Armlänge: 63 cm
- Oberkörperlänge: 56 cm
- Fahrstil: Verspielt
- Was fahre ich hauptsächlich: Trail, Enduro, Park
- Vorlieben beim Fahrwerk: recht straff mit Progression
- Vorlieben bei der Geometrie: relativ flacher Lenkwinkel, kurze Kettenstreben, langes Oberrohr mit kurzem Vorbau
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Weitere Informationen
Webseite: www.specialized.com
Text & Redaktion: Sebastian Beilmann | MTB-News.de 2017
Bilder: Moritz Zimmermann, Sebastian Beilmann, Gary Perkin, Sven Martin, Sam Needham