Commençal Supreme DH 29 Team im Test: Das Commençal Supreme ist spätestens seit Vorstellung der 29″-Version im Winter 2017 eines der begehrtesten Downhill-Bikes überhaupt und die Wahl vieler schneller Privateer-Racer. Grund ist unter anderem der auffällige Eingelenker-Hinterbau mit hohem Drehpunkt und Kettenumlenkung. In Kombination mit den großen Laufrädern sowie einer langen und flachen Geometrie soll dieser dem Rad geniale Eigenschaften auf modernen – also schnellen und harten – Downhill-Strecken bescheren. Wir haben den Alu-Boliden unter anderem auf der World Cup-Strecke in Schladming gründlich getestet!
Steckbrief: Commençal Supreme DH 29 Team
Einsatzbereich | Downhill |
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Federweg | 200 mm/200 mm |
Laufradgröße | 29ʺ |
Rahmenmaterial | Aluminium |
Gewicht (o. Pedale) | 16,7 kg |
Rahmengrößen | M, L, XL |
Website | www.commencal-store.de |
Seit seiner Vorstellung im Jahr 2005 hat sich das Commençal Supreme nicht zuletzt durch die Rennerfolge verschiedenster legendärer Teamfahrer zu einem der beliebtesten Downhill-Bikes der Welt gemausert. Doch der Sprung vom begehrten Racebike zum Postermodell für Teenager-Kinderzimmer kam ohne Frage mit der Vorstellung des Supreme V4 und dessen sehenswertem Hinterbau. Auch in der erst 2020 vorgestellten neusten Version setzt das Aluminium-Rad auf dasselbe Eingelenker-System mit extrem hohem Drehpunkt und Kettenumlenkung. Das System soll einerseits ein extrem feinfühliges Fahrwerk erreichen, das viel Geschwindigkeit durch ruppige Passagen trägt, andererseits jedoch verhindern, dass dies zu hohen Mengen an Pedalrückschlag führt – eine häufige Nebenwirkung. Mittlerweile ist das Commençal Supreme als 27,5″ und 29″-Variante erhältlich und kostet zwischen 3.699 € und 5.999 €. Wir haben dem 4.499 € teuren Team-Modell mit 29″-Laufrädern auf der legendären World Cup-Strecke im Bikepark Schladming gründlich auf den Zahn gefühlt!
Im Detail
Bereits seit einigen Jahren agiert Commençal als reiner Versandhändler – das Rad kommt also in einen Karton verpackt direkt nach Hause. Unser Testbike war sicher verpackt, lediglich am oberen Ende des linken Gabelholms war ein unschöner Kratzer. Ansonsten ist das Rad voraufgebaut – man sollte jedoch ein halbwegs kundiger Schrauber sein, um es korrekt zusammenzustecken. So müssen beispielsweise die Achsen und das Sattelrohr gefettet und der Vorbau korrekt montiert werden – Anfänger konsultieren am besten die Anleitung oder holen sich Hilfe in einem Radladen.
Wie alle Commençal-Bikes besteht auch das Supreme 29 aus Aluminium – die Formen sind teilweise jedoch so fließend, dass es sich auch um ein Carbon-Modell handeln könnte, wären da nicht die vielen Schweißnähte. Während das Rad von der Seite recht dynamisch und schlank wirkt, wird beim Blick von oben herab klar, dass hier nichts unterdimensioniert wurde. Das Oberohr ist unglaublich breit und die mittig gelegene Hebelage wirkt, als könnte sie auch einem Bombenbeschuss widerstehen. Diese mag auf den ersten Blick komplex wirken, ist jedoch nicht so viel umfangreicher als bei anderen Rädern. Der Hinterbau wird an einem recht weit oben gelegenen Punkt am Sattelrohr gelagert. Ein unten an den Kettenstreben befestigter Hebel zieht wiederum an einem am Hauptrahmen gelagerten Hebel, der den Dämpfer betätigt. Es handelt sich also um einen abgestützten Eingelenker. Die Besonderheit ist, dass der Drehpunkt weit oben liegt, wodurch das Hinterrad bei Schlägen schräg nach hinten wandert – es weicht Hindernissen quasi nach hinten aus. Dadurch längen sich die Kettenstreben extrem – damit das nicht zu starkem Kettenzug und damit Rückschlag an den Kurbeln führt, wird die Kette knapp am Drehpunkt vorbei umgelenkt. Nun längt sich die Kette zwar immer noch – allerdings nur unten, wo das Schaltwerk die Änderungen ausgleichen kann.
Im Vergleich zum Vorgänger wurde die Position der Kettenumlenkung leicht verändert, was dem Rad etwas besser Pedaliereigenschaften bescheren soll. Außerdem gibt es nun an der vorderen Dämpferaufnahme zwei verschiedenen Bohrungen: Während die obere eher linear ist und sich laut Commençal perfekt für ein aktives Fahrverhalten mit einem Coil-Dämpfer eignet, ist die untere progressiver und für einen aggressiveren Fahrstil ausgelegt. In Verbindung mit einem Luftdämpfer bekommt man hier mehr Gegenhalt in der Mitte des Federwegs, mehr Grip am Heck und mehr Stabilität in steilen Sektionen. Durch die neue Position der Umlenkrolle verläuft die Kette nun zwischen Ketten- und Sattelstrebe – diese sind jedoch jeweils durch sehr dicke Gummi-Überzüge gründlich geschützt.
Damit sich die etwas ineinander verschachtelte Anlenkung nicht mit Dreck zusetzt, ist außerdem ein großer Plastik-Schoner auf der Unterseite des Unterrohrs angebracht, der deutlich über dieses hinweg ragt und somit die eher breit geratene Anlenkung vor Beschuss von unten schützt. Passend dazu sind kurz hinter dem Steuerrohr ordentlich dicke und breite Anschläge für die Doppelbrücken-Gabel vorgesehen – ein Feature, das wir sehr zu schätzen wissen, da man sich so den nervigen Kampf mit den auf die Standrohre geschobenen Puffern spart. Der Lenkeinschlag fällt durch die dicken Gummis ungewöhnlich gering aus, stört auf der Strecke aber nicht weiter. Eine weitere Neuerung sind die Ausfallenden – diese sind nun nicht mehr in den Hinterbau geschraubt, sondern direkt integriert. Außerdem kommt eine PM-Bremsaufnahme für 200 mm-Scheiben zum Einsatz, was wir sehr löblich finden. Alles darunter ist an einem 29″-Downhill-Bike ohnehin falsch aufgehoben!
Geometrie
Betrachtet man die Geometrie-Tabelle des Commençal Supreme DH 29, fällt vor allem eins auf: Es ist verdammt lang! Die Reach-Werte beginnen bei 455 mm in Größe M und enden bei satten 500 mm in Größe XL. Unser Testbike in der mittleren Large-Variante ist ordentliche 480 mm lang, weist allerdings einen vergleichsweise flachen Stack von 614 mm auf. Das Tretlager ist in allen Größen um sehr geringe 11,5 mm abgesenkt und liegt damit deutlich höher als der Durchschnitt aktueller 29″-Downhill-Bikes. Kombiniert wird das Ganze mit 430 mm kurzen Kettenstreben, die sich beim Einfedern allerdings mehrere Zentimeter verlängern, sowie einem 63,5° flachen Lenkwinkel.
Rahmengröße | M | L | XL |
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Sitzrohrlänge | 400 mm | 400 mm | 400 mm |
Lenkwinkel | 63,5° | 63,5° | 63,5° |
Sitzwinkel | 66,5° | 66,5° | 66,5° |
Oberrohrlänge | 618 mm | 643 mm | 663 mm |
Steuerrohrlänge | 112 mm | 112 mm | 112 mm |
Tretlagerabsenkung | 11,5 mm | 11,5 mm | 11,5 mm |
Radstand | 1252 mm | 1277 mm | 1297 mm |
Kettenstrebenlänge | 430 mm | 430 mm | 430 mm |
Reach | 455 mm | 480 mm | 500 mm |
Stack | 614 mm | 614 mm | 614 mm |
Rahmengröße | S | M | L |
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Sitzrohrlänge | 400 mm | 400 mm | 400 mm |
Lenkwinkel | 63,5° | 63,5° | 63,5° |
Sitzwinkel | 66,5° | 66,5° | 66,5° |
Oberrohrlänge | 594 mm | 614 mm | 629 mm |
Steuerrohrlänge | 112 mm | 112 mm | 112 mm |
Tretlagerabsenkung | 5 mm | 5 mm | 5 mm |
Radstand | 1225 mm | 1245 mm | 1270 mm |
Kettenstrebenlänge | 430 mm | 430 mm | 430 mm |
Reach | 435 mm | 455 mm | 480 mm |
Ausstattung
Insgesamt sind ganze vier Varianten des Commençal Supreme 29 erhältlich – wir haben das zweitgünstigste Team-Modell getestet. Dieses ist mit einem sehr hochwertigen RockShox Ultimate-Fahrwerk, bestehend aus Boxxer-Federgabel und Super Deluxe-Luftdämpfer, ausgestattet. Auch an den Bremsen wird nicht gespart – hier setzt Commençal auf die bissfesten und gut einstellbaren SRAM Code RSC-Stopper mit Pizzateller-großen 220 mm-Scheiben. Der Antrieb stammt ebenfalls von SRAM und kommt aus der etwas günstigeren, aber sehr leistungsfähigen GX DH-Gruppe. Die 29″-Aluminium-Laufräder stellt e*thirteen, diese sind mit Schwalbe Magic Mary-Reifen in der etwas härteren Soft-Mischung bestückt. An Cockpit und Sattelstütze setzt Commençal auf günstige Komponenten der Hausmarke Ride Alpha. Insgesamt macht die Ausstattung für den Preis jedoch einen sehr durchdachten Eindruck und setzt an den wichtigsten Stellen auf kompromisslose High-End-Parts.
Für 3.699 € bekommt man das immer noch solide ausgestattete Supreme Ride-Modell. Wer Wert auf ein Fox-Modell oder maximal viel Bling-Bling legt, kann zum 4.999 € teuren Signature-Modell oder der 5.999 € teuren World’s Edition greifen.
- Federgabel RockShox Boxxer Ultimate (200 mm)
- Dämpfer RockShox Super Deluxe Ultimate (200 mm)
- Antrieb SRAM GX DH
- Bremsen SRAM Code RSC
- Laufräder e*thirteen LG1+ DH
- Reifen Schwalbe Magic Mary
- Cockpit Ride Alpha DH (780 mm) / Ride Alpha DH DM (40 mm)
Commençal Supreme DH Race | Commençal Supreme DH Team | Commençal Supreme DH Signature | Commençal Supreme DH Worlds Edition | |
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Federgabel | RockShox Boxxer Select | RockSHox Boxxer Ultimate | Fox 49 Factory | Fox 49 Factory |
Dämpfer | RockShox Super Deluxe Coil | RockShox Super Deluxe Ultimate DH | Fox Factory DHX2 | Fox Factory Float X2 |
Laufradsatz | e*thirteen LG1+ DH / Novatec DH | e*thirteen LG1+ DH | e*thirteen LG1+ DH | e*thirteen LG1 DH Race Carbon |
Schaltwerk | SRAM GX DH | SRAM GX DH | SRAM GX DH | SRAM X01 DH |
Schalthebel | SRAM GX DH | SRAM GX DH | SRAM GX DH | SRAM GX DH |
Kurbeln | SRAM Descendant DH | SRAM Descendant DH | e*thirteen LG1+ | SRAM X01 DH |
Kettenführung | e*thirteen LG1+ | e*thirteen LG1+ | e*thirteen LG1+ | e*thirteen LG1+ |
Kassette | SRAM GX DH | SRAM GX DH | e*thirteen | e*thirteen |
Bremsen | SRAM Code RSC | SRAM Code RSC | SRAM Code RSC | SRAM Code RSC |
Bremsscheibe | SRAM Centerline 220 mm / 220 mm | SRAM Centerline 220 mm / 220 mm | SRAM Centerline 220 mm / 220 mm | SRAM Centerline 220 mm / 220 mm |
Sattelstütze | Ride Alpha DH | Ride Alpha DH | Ride Alpha DH | Truvativ Descendant DH |
Reifen | Schwalbe Magic Mary / Schwalbe Magic Mary | Schwalbe Magic Mary / Schwalbe Magic Mary | Maxxis Assegai / Maxxis Assegai | Maxxis Assegai / Maxxis Assegai |
Steuersatz | Acros semi-integriert | Acros semi-integriert | Acros semi-integriert | Acros semi-integriert |
Lenker | Ride Alpha DH, 780 mm | Ride Alpha DH, 780 mm | Ride Alpha DH, 780 mm | Truvativ Descendant DH, 800 mm |
Vorbau | Ride Alpha DH Direct Mount, 40 mm | Ride Alpha DH Direct Mount, 40 mm | Ride Alpha DH Direct Mount, 40 mm | Truvativ Descendant DM, 50 mm |
Griffe | Ride Alpha DH | Ride Alpha DH | Ride Alpha DH | Ride Alpha DH |
Sattel | WTB High Tail Pro | WTB High Tail Pro | WTB High Tail Pro | WTB High Tail Pro |
Preis | 3.699 € | 4.499 € | 4.999 € | 5.699 € |
Auf dem Trail
Das Commençal Supreme ist aktuell wohl eines der meistgefahrenen Bikes im Downhill World Cup und die Wahl für viele kleinere Teams und Privateers. Damit war für uns klar, dass wir das Rad auf einer echten World Cup-Strecke fahren müssen! Schladming ist zwar länger nicht mehr als Austragungsort eines Downhill World Cups in Erscheinung getreten, genießt aber nach wie vor einen exzellenten Ruf als eine der besten und anspruchsvollsten Rennstrecken in Europa. Neben mehreren Tagen im Bikepark Schladming und auf der World Cup-Strecke haben wir auch einer unserer Lieblings-Teststrecken im tschechischen Bozi Dar einen Besuch abgestattet.
Dass der Hype um das High-Pivot-Federungs-Design nicht ganz unberechtigt ist, wird bereits auf den ersten Fahrten mit dem Commençal Supreme klar. Obwohl das Rad mit einem Luftdämpfer ausgestattet ist und diese gerade in Downhill-Bikes im Vergleich zu ihren Stahl-Pendants häufig etwas an Sensibilität vermissen lassen, herrscht hinten absolute Ruhe. Selbst in extrem schnellen, ruppigen Passagen, wo selbst eine Gabel wie die gut funktionierende RockShox Boxxer Ultimate irgendwann an ihr Limit kommt und die Hände anfangen zu schmerzen, klebt das Heck immer noch am Boden und gibt kaum Feedback an die Füße weiter. Derartig motiviert würden wir den Hahn am liebsten noch weiter aufdrehen, müssen dafür aber erst etwas an der Fahrposition verändern. Durch den langen Reach, das sehr hohe Tretlager und den flachen Lenker bekommt man schnell das Gefühl, eher auf als im Rad zu stehen. Das wird deutlich besser, als wir eine Vorbau- und Lenker-Kombination mit mehr Rise montieren und so etwas aufrechter stehen können. Außerdem ist der Hinterbau mit knapp 30 % Sag deutlich zu weich. Stück für Stück erhöhen wir den Druck also, bis wir uns schließlich mit 20 % Sag wohl fühlen.
Mit so wenig Negativ-Federweg würden die meisten uns bekannten Downhill-Bikes eher harsch und unbequem werden – nicht so das Commençal Supreme DH 29 Team. Der ziemlich lineare Hinterbau ist weiterhin sehr sensibel und geht vergleichsweise großzügig mit seinem Federweg um. Erstaunlicherweise hatten wir allerdings kaum mit Durchschlägen zu kämpfen – gegen Ende bietet der Hinterbau mit Luftdämpfer dann doch einiges an Gegenhalt. Spürbar progressiver wird es tatsächlich, wenn man den Dämpfer in die untere Aufnahme schraubt. Hier rauscht das Heck beim Pumpen, Pushen und Springen nicht ganz so stark durch und fühlt sich im Vergleich zur Front merklich ausgewogener an. Auch mit deutlich mehr Luft und dem progressiven Setting knallt das Rad extrem kompromisslos über Bremswellen und lässt sich von heftigen Schlägen und Vibrationen kaum ausbremsen. Gerade im obersten Teil der Planai in Schladming hatten wir das Gefühl, nur von den heftigen Schlägen an der Front ausgebremst zu werden.
Doch eigentlich ist Schladming vor allem für seine steile und sehr kurvige World Cup-Strecke bekannt. Diese bietet neben richtig vielen Tiefenmetern auf kurzem Raum vor allem große Sprünge und sehr steil gebaute Anlieger. Steht man viel auf der Bremse, bekommt man leider eine Nebenwirkung des High-Pivot-Hinterbaus zu spüren: das Bremsstempeln. Gerade im Vergleich zum sonst förmlich am Boden klebenden Heck verhärtet sich der Hinterbau beim Anbremsen merklich und reicht auf einmal recht heftige Schläge an die Fußsohlen durch. Hier büßt das Rad auch etwas an Laufruhe ein, wodurch man einiges an Kraft aufwenden muss, um es auf der korrekten Linie zu halten. Ebenfalls sehr auffällig ist, dass sich der Hinterbau beim Einfedern um mehrere Zentimeter längt. Bei harten Landungen ist das durchaus von Vorteil, da man durch den längeren Radstand mehr Laufruhe erntet und eine aggressive, frontlastige Position einnehmen kann. Schwieriger wird es jedoch in engen und steilen Anliegerkurven. Hängt man mit viel Druck im Scheitelpunkt des Anliegers, wird das Rad durch den wachsenden Radstand leicht nach außen getrieben. Während die Stärken des Hinterbaus also für jeden ersichtlich und vorteilhaft sind, braucht es einen versierten Fahrer mit einer guten Brems- und Kurventechnik, um die Nachteile auf extrem steilen und eher engen Strecken nicht zu stark zu merken.
Ziemlich überrascht waren wir darüber, wie gut und ausgewogen das Supreme DH in die Luft geht. Auf der frisch gebauten Jumpline im Bikepark Schladming hatten wir auch auf steileren Absprüngen keine Probleme mit einem wegsackenden Heck – zudem fühlt sich das Rad in der Luft sehr sicher und balanciert an. Überschießt man die Landung mal, zeigt sich der Hinterbau wieder von seiner verzeihenden Seite und saugt den Aufschlag gekonnt weg. Auch kurze Sprints lassen sich durchaus bewältigen, ohne dass die gesamte Kraft im Dämpfer verpufft. Hier macht das Commençal Supreme DH 29 einen für ein Downhill-Bike vergleichsweise lebhaften Eindruck, wippt aber natürlich trotzdem spürbar.
Im Vergleich
Wir konnten das Commençal Supreme DH 29 im direkten Vergleich mit dem Specialized Demo 29 fahren. Beide Räder landeten beim letztjährigen World Cup unter Loïc Bruni und Amaury Pierron auf den Plätzen 1 und 2 und konnten sich je drei Siege sichern. In ruppigen High-Speed-Passagen, in denen die Bremse voll offen ist, liegen beide Bikes extrem satt auf der Strecke und lassen die Konkurrenz alt aussehen. Der HPP-Hinterbau des Commençal fällt hier allerdings noch einen Hauch sanfter aus und lässt sich von Schlägen weniger ausbremsen. Dafür wendet sich das Blatt, wenn die Strecke steil nach unten kippt. Das Demo bleibt mit seinem Öhlins-Fahrwerk auf der Bremse aktiver, behält trotzdem seine Geometrie gut bei und fühlt sich in Kurven kontrollierbarer an. Specialized-typisch fühlt man sich zudem von der ersten Sekunde an wohl auf dem Rad – beim Commençal mussten wir das Cockpit deutlich erhöhen. Auf flowigen Strecken und Sprüngen hingegen neigt das Demo etwas dazu, im Federweg zu versinken – hier zeigt sich das Commençal spritziger.
Verglichen mit dem sehr aktiven und leichten Scott Gambler 29 Tuned oder dem etwas schwereren Gambler 920-Modell bekommt man auf dem Commençal Supreme wesentlich weniger Feedback vom Untergrund vermittelt. Während man in ruppigen Sektionen den Lenker des Gamblers gut festhalten muss, ist das Supreme DH 29 hier stoisch ruhig. In Kurven hingegen fühlt sich das Scott sehr ausgewogen und wendig an – generell machen Front und Heck hier einen etwas ausbalancierteren Eindruck. Beide Räder springen gut, das leichte Scott macht auf smoothen Bikepark-Strecken allerdings noch etwas mehr Spaß.
Das ist uns aufgefallen
- e*thirteen-Felge Leider hat die Hinterrad-Felge unseren Test trotz 1,8 bar Reifendruck nur 3 Fahrten in Bozi Dar lang überstanden. Die tschechische Highspeed-Strecke ist extrem anspruchsvoll für jedes Material und Dellen sind hier keine Seltenheit – allerdings waren wir auf den ersten Fahrten wenig aggressiv unterwegs und die Felge hatte sich so weit eingedrückt, dass der Reifen selbst mit Schlauch nicht mehr sicher gehalten wurde.
- Hinterbau Dank seines Hinterbaus ist das Commençal Supreme ein extrem auffälliges Rad – nicht nur optisch, sondern auch fahrerisch. Während es in schnellen Sektionen ohne Bremsen unglaublich viel Geschwindigkeit mitnimmt und auch heftigste Bremswellen schluckt wie kaum ein anderes Rad auf dem Markt, hatten wir in steilen Passagen etwas mit dem spürbaren Bremsstempeln zu kämpfen. Bekommt man vorher so gut wie kein Feedback vom Untergrund, verhärtet der Hinterbau in diesen Passagen spürbar und erschwert es, die gewünschte Linie zu halten.
- Cockpit An sich lässt sich gegen die Ride Alpha-Parts nichts sagen. Wir waren allerdings durch den tiefen Stack nicht ganz mit der Höhe des Cockpits zufrieden, außerdem hat uns die Form des Lenkers nicht 100-prozentig zugesagt – das ist allerdings sehr individuell. Um etwas mehr Höhe zu bekommen, haben wir deshalb einen höheren Truvativ Descendant-Vorbau sowie den passenden Descendant-Lenker mit 25 mm Rise montiert.
- Ausstattung Für 4.499 € bekommt man bei Commençal ein clever ausgestattetes Downhill-Bike, das für alle Rennstrecken dieser Welt bereit ist. Dadurch, dass am Fahrwerk und bei den Bremsen maximal hochwertige Komponenten zum Einsatz kommen und lediglich im Antrieb gespart wurde, fühlt man sich gegenüber deutlich teureren Bikes kaum im Nachteil.
- Schaltwerk Das Schaltwerk sollte man sehr genau einstellen. Durch die extreme Längung des Hinterbaus muss es ziemlich viele Kettenbewegungen ausgleichen. Dabei kann es manchmal ans Limit kommen und die Spannung nicht halten, was sich bei uns auch dadurch bemerkbar gemacht hat, dass das obere Röllchen um einen Zahn weiterspringt. Dann passt die Kette nicht mehr richtig drauf und rattert beim Treten sehr laut.
- Haltbarkeit Auch wenn unser Testzeitraum Pandemie-bedingt nicht der längste war, hat sich das Commençal selbst bei extrem matschigen Bedingungen tapfer geschlagen. Der Lack hat keine nennenswerten Schäden davongetragen nichts knarzt oder hat sich gelockert – nur die Felge gab es zu beklagen.
Fazit – Commençal Supreme DH 29 Team
Mit dem Commençal Supreme DH 29 Team präsentiert der Versender aus Andorra ein absolut kompromissloses Downhill-Bike für extrem schnelle und ruppige Strecken. Am wohlsten fühlt es sich, wenn die Kurven nicht zu eng und das Gefälle nicht zu steil ist, da es sonst etwas mit seinem Bremsstempeln und den sich längenden Kettenstreben kämpft. Lässt man die Finger am Lenker, bügelt es hingegen über so ziemlich alle Hindernisse drüber. Erstaunlich viel Spaß hatten wir mit dem Boliden auch auf dem neuen Jumptrail im Bikepark Schladming – hier geht es leichtfüßig in die Luft und vermittelt viel Sicherheit bei der Landung.
- extrem laufruhig bei hohen Geschwindigkeiten
- sehr sensibler Hinterbau
- anpassbares Fahrwerk
- sinnvolle und hochwertige Ausstattung
- spürbares Bremsstempeln in steilen Segmenten
- Hinterbau längt sich in Kurven
Wer von euch ist schonmal ein Bike mit HPP-Hinterbau gefahren? Was waren eure Eindrücke?
Testablauf
Wir sind das Commençal Supreme DH 29 Team im Verlauf mehrerer Wochen auf verschiedenen Downhill-Strecken gefahren. Neben unserem Haupttester sind auch zwei externe Rennfahrer das Rad gefahren, um die Test-Eindrücke zu bestätigen.
Hier haben wir das Commençal Supreme DH 29 Team getestet
- Bozi Dar: Extrem ruppige, steinige Downhill-Strecke. Nicht übermäßig technisch, dafür sehr schnell, viele Kurven mit wenig Gegenhalt und heftige Kompressionen. Hier kommt das Material an seine Belastungsgrenzen.
- Schladming: Bikepark mit einer der ruppigsten und steilsten Downhill-Strecken der Welt. Enge, steil gebaute Kurven mit extrem viel Gegenhalt sowie große Sprünge und heftige Bremswellen sind hier an der Tagesordnung. Zusätzlich gibt es noch typische Bikepark-Freeride-Strecken sowie eine Jumpline mit großen und steilen Absprüngen.
Körpergröße | 183 cm |
Schrittlänge | 85,5 cm |
Oberkörperlänge | 60 cm |
Armlänge | 61 cm |
Gewicht | 76 kg |
- Fahrstil
- verspielt
- Ich fahre hauptsächlich
- Downhill, Enduro
- Vorlieben beim Fahrwerk
- unauffällig, eher progressiv, wenig Druckstufe
- Vorlieben bei der Geometrie
- ausgewogen, nicht zu lang, Lenkwinkel nicht zu flach